#048 Frauen am Steuer - Gleichberechtigt im Kuhstall?

Shownotes

Wer hat im Kuhstall das Sagen? Und wie gleichberechtigt sind Frauen wirklich in der Landwirtschaft? In dieser Folge spricht Timo mit Frauke, die nicht nur die Kühe auf ihrem Familienbetrieb im Griff hat, sondern auch kräftig am Thema Gleichstellung rüttelt.

Als Mitglied im „Arbeitskreis Unternehmerinnen“ setzt sie sich dafür ein, mehr Frauen in entscheidende Positionen und Gremien zu bringen. Warum Frauen in der Landwirtschaft oft noch in der zweiten Reihe stehen – und wie sich das ändern könnte, das hört ihr in dieser Folge. Auch klären die beiden, ob es wirklich Unterschiede zwischen „männlicher“ und „weiblicher“ Arbeit auf dem Hof gibt – oder ob das alles nur Klischees sind. Und: Warum Hilfe annehmen nichts mit Schwäche zu tun hat – auch nicht im Kuhstall.

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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zurück bei Stadt Landku.

00:00:10: Zum dritten Mal in Folge heißt es heute Moin Moin aus Ostfriesland, denn ich bin immer

00:00:15: noch im hohen Norden unterwegs und auch in Folge 3 von 3 bin ich wieder bei einer jungen

00:00:20: Frau zu Gast.

00:00:21: Tada!

00:00:22: Weibliche Quote erfüllt.

00:00:23: Aber ganz so einfach ist es nicht, denn in der Realität sieht die Aufteilung unter

00:00:28: den Geschlechtern oft ganz anders aus.

00:00:30: Wie genau?

00:00:31: Darüber spreche ich jetzt mit Frauke, die mich netterweise auf ihren Hof eingeladen hat.

00:00:35: Ich bin frisch vom Frühstückstisch und dann direkt zu dir an Hof.

00:00:38: Da ist das Bauernhaus und so Vorrätegeschichten und ich sehe auch Stall.

00:00:42: Ist das hier alles deins oder was ist das hier?

00:00:44: Das Familienbetrieb, meine Eltern sind vor 20 Jahren hier angefangen.

00:00:48: Mein Vater, der kommt vom Betrieb, meine Mutter nicht.

00:00:51: Das Haus, was wir sozusagen auf der Seite sehen und der Stall, der dazu gehört, genau

00:00:55: das gehört alles zusammen.

00:00:56: Da ging es dann im Grunde los und das ist jetzt das neue Haus, wo meine Eltern auch drin

00:01:00: wohnen und ich wohne jetzt in dem sozusagen früheren Haus.

00:01:04: Wieder ein klassischer Familienbetrieb also.

00:01:06: Mit 140 Können, die von Frauke, ihrem Freund und ihren Eltern umsorgt und gemolken werden

00:01:11: wollen und von mir begutachtet.

00:01:14: Also rein in den Stall.

00:01:15: Guck mal.

00:01:16: Und ich als Experte sage jetzt immer, dass die braun sind und du würdest sagen, sind

00:01:20: rotbunt.

00:01:21: Das ist richtig, aber die Farbe ist ja braun.

00:01:22: So ist es ja nicht.

00:01:23: Oder?

00:01:24: Endlich mal eine einigermaßen Zustimmung dazu.

00:01:26: Ich habe ja bei jedem Bauernhofbesuch so ein Überthema.

00:01:29: Du bist jetzt mir vorgesetzt worden als Expertin fürs Thema Gleichstellung.

00:01:33: Ach so.

00:01:34: Kommt dir das Thema bekannt vor.

00:01:35: Das kommen wir auf jeden Fall bekannt.

00:01:36: Ja.

00:01:37: Vorwärter gleich darüber sprechen.

00:01:39: Hab ich überlegt im Bereich Landwirtschaft.

00:01:42: Ich den Eindruck habe, dass Landwirte da gar nicht so unterscheiden zwischen Mann und

00:01:47: Frau und dass da die Frau so eine andere Rolle hat als der Mann.

00:01:50: Ich würde aus dem Bauch raus sagen, wenn jemand gut arbeitet, ist er herzlich willkommen.

00:01:53: Das finde ich jetzt ein bisschen gewöhnlicher als ein Mann im Grundschulärm.

00:01:57: So weit zumindest mein Bauchgefühl.

00:01:59: Zeit für den Reality-Check von Frauke.

00:02:01: Ich habe zwei Schwestern.

00:02:02: Wir waren immer Mädels auf dem Hof.

00:02:04: Deswegen von Grund auf Frauen in der Landwirtschaft.

00:02:07: So bin ich aufgewachsen.

00:02:08: Dann, wenn man in die Ausbildung startet, ist das zu meiner Zeit wohl noch gewesen.

00:02:12: Ja, man kommt da rein und dann sitzen dann, ich sage mal, 20 junge Männer und drei,

00:02:16: vier Frauen.

00:02:17: Krass, ja.

00:02:18: Da habe ich schon gedacht.

00:02:19: Gerade dieses Arbeiten mit einem Tier, das spricht auch die Frauen an.

00:02:22: Also ich selber.

00:02:23: Ich sitze genauso gerne auf dem Trecker, wie ich im Stall stehe.

00:02:25: Also das ist beides einfach voll meins.

00:02:27: Nur wenn man so als Auszubildender kommt und dann erstmal sieht, oh, eigentlich sind

00:02:31: gar keine Mädels da.

00:02:32: So rechnet man vielleicht gar nicht erst mit.

00:02:34: Ich hätte es auch nicht gedacht.

00:02:35: Da sagst du was Timo.

00:02:36: Ich auch nicht.

00:02:37: Aber das war ja der Stand während Fraukes Ausbildung.

00:02:40: Vielleicht sieht es ja inzwischen zumindest etwas besser aus.

00:02:43: In letzter Zeit habe ich auch schon gehört, dass dann doch die Ausbildungsklassen größer

00:02:47: sind und Frauen, die die Betriebe leiten, die werden ja auch immer mehr.

00:02:50: Aber immer mehr werden heißt ja auch nicht, dass es ausgeglichen ist.

00:02:53: Das auf jeden Fall nicht.

00:02:54: Ich meine, dass 10 Prozent der Betriebe im Moment von Frauen geleitet werden.

00:02:58: Hätte ich wirklich mehr geschätzt, weil ich immer dachte, na ja, irgendwie sind so viele

00:03:01: Frauen auch unterwegs.

00:03:02: Es sind ja oft Familienbetriebe, wo ich bin.

00:03:04: Die kriegen ja nicht zu 90 Prozent männlichen Nachwuchs und zu 10 Prozent weiblichen Nachwuchs.

00:03:08: Nee, das ist vollkommen richtig.

00:03:09: Dass man die Frauen immer sieht, ist glaube ich unabhängig davon, ob sie den Betrieb

00:03:14: leiten.

00:03:15: Ach so, ja.

00:03:16: Manchen Betrieben ist es ja auch so, dass die Frau sogar auch woanders arbeitet.

00:03:18: Aber trotzdem, glaube ich, sind sie irgendwie immer da.

00:03:20: Der Betrieb ist ja nicht nur Betrieb und Arbeit, der ist ja nun mal auch das Zuhause.

00:03:24: Und dann sogar noch im Hof mitarbeiten.

00:03:25: Ja, genau.

00:03:26: Ungefähr 10 zu 90 Prozent.

00:03:29: Da brauche ich nicht mal Adam Riese, um diese riesige Ungleichheit zu sehen.

00:03:33: Und das ist nur der grobe Überblick, wer die Höfe so leitet.

00:03:36: Auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft sieht es ähnlich aus.

00:03:39: Auch diese Öffentlichkeitsarbeit, und daher gibt es in der Landwirtschaft ja unendlich

00:03:43: viele Gremien auch.

00:03:44: Da sitzen irgendwie dann doch immer ne Männer.

00:03:46: Das sind so die alten weiße Männer oder auch junge weiße Männer.

00:03:49: Ja, doch, junge weiße Männer sind auch schon dabei.

00:03:52: Richtig.

00:03:53: Hey!

00:03:54: Ja.

00:03:55: Ob man dann generell gefragt wird, ich sage mal alte weiße Männer, wenn wir jetzt mal

00:03:58: so salopp bei diesem Begriff bleiben, fragen vielleicht doch, wenn sie schon in die Jugend

00:04:02: gucken, dann doch vielleicht eher noch den Mann.

00:04:03: Das sind ja nur noch anders aufgewachsen, muss man ja immer aussehen.

00:04:07: Aber trotzdem, ich meine, sitzen ja oftmals sehr qualifizierte Leute da und manchmal

00:04:11: sitzen da auch welche, die eigentlich da sitzen, weil sie gefragt wurden und gesagt haben,

00:04:14: ich will auch gesehen werden oder keine Ahnung.

00:04:17: Deswegen bin ich hier podcastiert.

00:04:18: Ah ja, bis jetzt fällt es mir noch nicht auf.

00:04:21: Was mir aber inzwischen aufgefallen ist, das mit der Gleichstellung läuft aktuell

00:04:26: eher suboptimal.

00:04:28: Jetzt ist die Frage, was tun?

00:04:29: Man könnte ja auch sagen, pff, mir doch egal, aber nicht mit Frauke.

00:04:33: Dass die Frau da so ein bisschen reinkommt, dafür haben wir auch so einen Arbeitskreis

00:04:38: gegründet.

00:04:39: Der trifft sich zweimal in den Jahren Hannover, der ist jetzt komplett frisch.

00:04:42: Hannover kenne ich ja gut.

00:04:43: Ja, genau.

00:04:44: Und das ist im Grunde darum, dass die Frauen erst mal unter sich sich auch ein bisschen

00:04:48: stärken und auch sagen, komm, überleg nicht erst eine halbe Stunde, bevor du mal zusagst,

00:04:52: sondern sag auch einfach mal, ja, weil das ist ja oft so, überlegt man erst und hat

00:04:56: man noch die Zeit dazu, man will es ja auch voll und ganz machen.

00:04:58: Hat der Mann schon ja gesagt in der Zeit.

00:04:59: Genau.

00:05:00: Und das ist so das, was vielleicht noch so ein bisschen hemmend ist.

00:05:03: Es liegt ja auch an den Frauen, dass sie nicht in Gremien sitzen.

00:05:05: Also ich liege ja nicht nur an den Männern, muss man ja auch so sagen.

00:05:08: Weil du sagen würdest, dass sie ein bisschen zurückhaltender sind und ein bisschen abwägen

00:05:11: da.

00:05:12: Da mach ich das, das freist du schnell, kriegen wir irgendwie.

00:05:14: So ungefähr.

00:05:15: Der Arbeitskreisunternehmerinnen, wie er heißt, wurde also von Landwirtinnen aus ganz Niedersachsen

00:05:21: gegründet.

00:05:22: Das Ziel, sich austauschen und die Interessen von Frauen in der Landwirtschaft vertreten.

00:05:27: Dass Frauke ein Teil davon wird, war ihr aber noch nicht sofort klar.

00:05:31: Von unserem Kreis sozusagen habe ich eine Anfrage bekommen.

00:05:34: Am Anfang habe ich noch erzählt, man sollte nicht so viel überlegen, ich habe doch lange

00:05:38: noch überlegt, ob das denn wirklich was für mich ist.

00:05:41: Ehrenamt finde ich komplett wichtig, ganz klar.

00:05:44: Aber jetzt so im landwirtschaftlichen Ehrenamt bin ich so viel, so noch nicht unterwegs gewesen.

00:05:47: Ich habe schon gedacht, mal gucken, dann habe ich aber gesagt, komm, die Chance, wie

00:05:50: willst du jetzt auch nutzen?

00:05:51: Und dann ist das immer dann wirklich mit 30, 40 anderen Frauen.

00:05:54: Dieser Blick, der weite sich ja komplett.

00:05:56: Wenn man dann erstmal hat, was die denn alles überhaupt so machen, auch in ihren Kreisen.

00:05:59: Man kennt sich ja unter anderem da meistens gar nicht.

00:06:02: Auch gerade ich, die dann noch nicht so in vielen Gremien ist.

00:06:04: Ja.

00:06:05: Die Ersetzung durch diesen Arbeitskreis ist schon sehr hoch.

00:06:08: Und damit wollen wir ja die Frauen in der Landwirtschaft auch ein bisschen sichtbarer machen.

00:06:11: Mehr Sichtbarkeit für Frauen und ihre Themen.

00:06:14: Die da wären?

00:06:15: Oh, das könnte ich blöderweise sagen, so Handarbeit, wenn ich jetzt so richtig Ola Mann wäre.

00:06:19: Treffen sich ja viele Unternehmerinnen.

00:06:21: Da geht es ja auch schon darum, finanzielle Absicherung, da geht es mit los.

00:06:24: Ob wenn man dann vielleicht mit einem Landfeten verheiratet ist oder auf der anderen Seite

00:06:28: so Richtung Mutterschutz.

00:06:30: Das ist etwas, wenn man dann in einer Sitzung sitzt, sage ich mal im Ort oder so.

00:06:34: Wenn man sitzt in der zwei Frauen mit, keine Ahnung, 20 Männern, dann würde ich ja nicht

00:06:38: ansprechen den Mutterschutz in der Landwirtschaft.

00:06:40: Aber ob das dann ein Thema da finden würde, glaube ich eher nicht.

00:06:43: Das ist so ein Bisschen.

00:06:44: Sag mal Helmuth, was sagst du denn dazu?

00:06:46: Ja, richtig.

00:06:47: Besonders das Thema finanzielle Absicherung spielt für Frauen auf dem Hof eine immer

00:06:52: größere Rolle.

00:06:53: Oftmals ist es ja so, dass nicht den beiden Ehepartnern irgendwie zugleich der Hof gehört.

00:06:57: Wenn es darum geht, ja meistens dann der Mann, der Unternehmer und die Frau ganz extrem

00:07:02: gesagt haftet für alles mit, aber gehört nichts.

00:07:04: Also das ist jetzt ein bisschen übertrieben, aber trotzdem.

00:07:07: Ich meine gerade in der heutigen Gesellschaft ist es ja doch, dass öfter mal irgendwelche

00:07:09: Trennung oder sonst was, dann weiß man ja im Grunde gar nicht, wo man steht.

00:07:13: Trennung klingt jetzt erstmal nie schön, aber ist es ja auch ein Privileg, dass man sich

00:07:16: trennen kann, wenn man sich darum kümmert um finanzielle Absicherung.

00:07:19: Ja, richtig.

00:07:20: Wie oft gab es früher den Fall, dass die Frau auch nicht mal richtig glücklich hier auf

00:07:23: dem Hof war.

00:07:24: Aber ich kann mich ja hier nicht weg bewegen, weil ich habe ja nichts.

00:07:26: Ja, richtig, genau.

00:07:27: Und da hat sich einfach alles weiterentwickelt.

00:07:29: Weiterentwickeln und mit der Zeit gehen also.

00:07:32: Und das trifft ja generell nicht immer bei allen auf Zustimmung.

00:07:35: Da würde mich schon interessieren, wie der Arbeitskreis denn so bei den männlichen

00:07:39: Kollegen ankommt.

00:07:40: Gab es einen Moment, wo dann jemand, wie ich jetzt einmal flaps ich, dann sagt, na was

00:07:44: macht ihr da in diesem Kreis über Schuhe reden?

00:07:46: Ja, also vor allen Dingen, warum braucht es überhaupt diesen Kreis?

00:07:50: Ich meine, Frauen können ja zu jeder Sitzung kommen.

00:07:52: Das war vor allem dieses, warum müsst ihr euch da jetzt untereinander treffen?

00:07:55: Wir haben doch kein Arbeitskreis mehr in der Zeit.

00:07:57: Oh ja, schön.

00:07:58: Also das gibt es schon.

00:07:59: Und was sagst du denen?

00:08:00: Den sage ich dann eigentlich im Grunde das.

00:08:02: Man will auch über Frau und Tim sprechen und ich würde dann niemals sagen, ihr alten

00:08:06: weißen Männer, aber ihr seid ja nun doch in eurem Schema und ich erzähle euch dann

00:08:11: gerne was darüber und vielleicht kommt dann ja doch mal die eine oder andere Frau mehr,

00:08:14: weil dann auch mal interessante Themen aufgelegt werden.

00:08:17: Aber vielleicht, wenn man das erstmal so im Großen ein bisschen erarbeitet, dann will

00:08:21: man das ja nachher auch so ins Kleine bringen.

00:08:23: Und um diese Änderungen im Detail umzusetzen und es für alle besser zu machen, braucht

00:08:27: es dann eben auch wieder alle, und zwar Männer und Frauen.

00:08:31: Deshalb hält Frauke auch nicht viel von harter Konfrontation.

00:08:34: Ach, das nützt ja sowieso keinem was.

00:08:35: Warum soll man sich gegenseitig angreifen, gerade wenn man so einen Betrieben zusammenarbeitet

00:08:39: und normalerweise ja Männer und Frauen zusammenarbeiten, das ist ja auch das Schöne.

00:08:43: Man hat ja nun mal unterschiedliche Sicht auf das Ganze und man kann ja voneinander

00:08:48: und miteinander lernen und das finde ich gerade das Schöne.

00:08:50: Und voneinander lernen geht ja theoretisch auch in beide Richtungen.

00:08:54: vom älteren erfahrenen Betriebsleiter, aber auch vom frischen Wind der jungen Landwirte.

00:08:59: oder gibt es noch eine gewisse Grundskepsis?

00:09:01: Erstmal ist es so, wie schön, dass du auch Landwirtschaft machst.

00:09:04: Man ist ja auch eine Frau.

00:09:06: Schön, dass du es trotzdem machst.

00:09:08: Genau.

00:09:09: Diese Skepsis ist schon da.

00:09:12: Aber dass wir dann auch zeigen, was wir können.

00:09:15: Ich bin jemand, der auf wahnsinnig gerne arbeitet.

00:09:18: Wenn ich merke, dass irgendwo eine Skepsis bei anderen dabei ist,

00:09:21: dann kann ich auch noch schneller arbeiten.

00:09:23: Das klingt ein bisschen salopp und blöd,

00:09:25: aber dann legt sich ja die Skepsis.

00:09:26: Dass Frauke ihren Weg gefunden hat, damit umzugehen, ist super.

00:09:30: Aber ein bisschen unfair ist doch schon, oder?

00:09:32: Männer müssen sich ja schließlich nicht extra beweisen.

00:09:35: Oder wie sieht sie das?

00:09:36: Ich hatte jetzt nie, dass man zum Beispiel junge Mädchen zusammen irgendwo,

00:09:40: man wird vergleichen oder so, das habe ich nicht erlebt.

00:09:42: Aber gehört habe ich das auch schon oft

00:09:44: und der fährt dann auch Trecker und du hier ist im Stahl.

00:09:46: Aber ich glaube, so weit sind wir auch, egal ob in der Gesellschaft

00:09:49: oder in der Landwirtschaft, dass wir...

00:09:51: Oh, ihr genannt mich gerade.

00:09:52: Ja, die wollen mitunterhalten.

00:09:54: Dass wir einfach als Frau dann auch sagen,

00:09:57: "Komm, ich will das auch machen und ich kann das genauso."

00:10:00: Und wenn ich es nicht kann...

00:10:01: Das ist ja das natürlichste der Welt.

00:10:02: Wenn auch nicht jeder Mann kann, alles auf dem Hof wahrscheinlich perfekt gut.

00:10:05: Und da wir gerade schon mal über die vermeintlichen Unterschiede sprechen,

00:10:08: haben Männer und Frauen denn wirklich einen anderen Blick auf die Landwirtschaft?

00:10:12: Ich habe mir wohl vorstellen, dass da Unterschiede sind,

00:10:14: dass ich nun persönlich sagen kann, ich komme in den Stahl

00:10:17: und sehe andere Dinge als mein Vater oder mein Freund.

00:10:20: Weiß ich gar nicht unbedingt.

00:10:22: Gerade wenn man so der Familienbetrieb ist,

00:10:24: lernt man ja eigentlich auch von den Eltern

00:10:26: und vielleicht, weil ich dann so viel durch mein Vater gelernt habe,

00:10:29: glaube ich nicht, dass der Blick viel unterschiedlich ist.

00:10:32: Der Blick fürs Tier, wenn der da ist, glaube ich,

00:10:35: kann den Mann genauso wie eine Frau haben.

00:10:37: Die Familie und Ausbildung prägen einen mehr als das Geschlecht allein.

00:10:41: Klingt für mich nachvollziehbar.

00:10:42: Und während wir noch etwas tiefer in den Stalinein schlendern,

00:10:45: gibt es aber noch eine letzte Hochburg, der Geschlechterdebatte abzuhaken.

00:10:49: Die körperlichen Unterschiede.

00:10:51: Vor 50 Jahren und heute ist natürlich ein Riesenunterschied,

00:10:54: wenn man Landwirtschaft vergleicht.

00:10:56: Macroboter oder auch wenn wir jetzt die technischen Sachen,

00:10:59: die auch fürs Land oder so was sind, das sind ja alles Dinge,

00:11:02: die verlangen gar nicht mehr so viel Körperlichkeit.

00:11:04: Da ist es vielleicht nicht mehr so der große Unterschied.

00:11:07: Aber gerade wenn man es mit Tieren zu tun hat,

00:11:09: das kann immer sein, dass eine Kuh sich irgendwo festlegt.

00:11:12: Da bringen einem Hilfsmittel wie ein Trecker vielleicht hier unter eine Hilfe,

00:11:15: aber diese Kraft, die man doch hier unterbraucht,

00:11:17: die ist schon ein Unterschied.

00:11:19: Und noch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern

00:11:21: können Frau Guntig ausmachen.

00:11:23: Nämlich das große Konfliktthema nach Hilfe fragen.

00:11:27: Ich glaube, dass wir als Frauen dardoch auch einfach mal sagen,

00:11:33: komm, helf mir mal.

00:11:34: Männer, die können es dann ja, die müssen es ja irgendwie können,

00:11:37: weil sie ja stark sind und dann wird er nicht gefragt.

00:11:40: Genau, dass Männer nicht so gerne sagen, hilf mir doch bitte mal.

00:11:43: Das ist auf jeden Fall so.

00:11:44: Weil ich habe das gerade nicht so alleine.

00:11:45: Die Erfahrung haben wir schon ganz oft gemacht.

00:11:47: Im Grunde gehe ich ja auch erst mal daran und will es alleine machen.

00:11:50: Das Einzige, was nervt ist, wenn sie dann meinen, sie müssten helfen.

00:11:53: Ja, ohne sie zu gefragt.

00:11:55: Weil euer Christian ist dann hin.

00:11:56: Also das ist wirklich etwas, wenn die Frau dann auf dem Hof ist

00:11:59: und dann vielleicht mal was macht, was vielleicht auch wirklich mal schwieriger ist.

00:12:02: Und dann siehst du schon so den Blick von weiter weg.

00:12:04: Ja, genau.

00:12:05: Erst mal gucken, was macht sie denn da.

00:12:06: Soll ich das denn machen, ist so nö.

00:12:08: Krieg ich schon hin, ja.

00:12:09: Apropos soll ich das denn machen.

00:12:11: Wie sieht es denn eigentlich bei Frau Güss Familie auf dem Hof aus,

00:12:14: so mit der Aufgabenteilung?

00:12:16: Wie ist das konsequent, wenn hier die Hausarbeit ganz gerecht auf die Geschlechter aufgeteilt wird?

00:12:20: In der Arbeit kann ich das super.

00:12:22: Jeder macht alles und aber so im Haushalt, ich sage mal Essen kochen oder so.

00:12:26: Aber das macht dann doch eher Mama oder ich.

00:12:28: Also eher unwahrscheinlich, dass das so die Männer machen.

00:12:31: Und hat das den Grund, dass du sagst, das macht mir mehr Spaß?

00:12:34: Oder wenn die Männer es machen, dann schmeckt es mir nicht?

00:12:37: Das ist wirklich eine gute Frage.

00:12:38: Wenn man überlebt, ja, dafür bist du ja schließlich auch da.

00:12:41: Eigentlich gibt es ja gar keinen Grund dafür, ob ich mich jetzt dahin stelle

00:12:45: oder dann mein Freund oder wer auch immer.

00:12:47: Ja, man macht es einfach, ne.

00:12:49: Kochen ist vielleicht jetzt gerade dieses typische Staubsaugen oder zu wischen oder so was.

00:12:53: Ich glaube, da haben wir das schon gut im Griff.

00:12:55: Also dann macht jeder was.

00:12:56: Bei mir zu Hause ist das zum Beispiel so, da bin ich ganz fortschrittlich.

00:12:58: Beim Staubsaugen und sowas macht 100 Prozent der Mann.

00:13:00: Ich wohne aber auch alleine.

00:13:02: Und wenn wir schon mal beim Blöden sprüchen sind,

00:13:04: von denen muss sie sich Frau Güss doch bestimmt auch schon den ein oder anderen anhören.

00:13:08: Eine Sache, das ist jetzt ganz unabhängig davon,

00:13:11: aber das prägt mich einfach so zu meiner Ausbildungszeit.

00:13:14: Ich habe da im Auto und habe so erzählt und auch von meiner Ich erzähle noch gerne,

00:13:17: was ich so mache.

00:13:18: Ich habe Abitur gemacht und dann habe ich die Landwirtschaft hier leere gemacht.

00:13:21: Ich hätte ja auch theoretisch studieren können oder was auch immer.

00:13:23: Das hört man sich dann manchmal wohl an.

00:13:25: Ja, warum machst du den Abitur, wenn du Landwirt wirst?

00:13:27: Das ist so einfach so der Satz, der mich ein bisschen prägt.

00:13:30: Wo ich immer wieder sage, Hallo, die dummen Bauern oder was ist das Klischee?

00:13:34: Also dieses Klischee finde ich fast noch schlimmer,

00:13:36: als wenn sie dann Männer und Frauen dann vergleichen.

00:13:38: Das habe ich öfter mal, wenn ich so bei der Tankstelle bin

00:13:41: und dann vorkomme ich mit meinem großen Gülle,

00:13:43: dass es dann noch ein bisschen imposanter ist.

00:13:45: Oh, du fährst das und ich so, ja, warum denn nicht?

00:13:47: Warum denn nicht?

00:13:48: Also ein Fuß zum Gaspedal habe ich auch.

00:13:50: Ja, eben.

00:13:51: Das kriege ich schon hin.

00:13:52: Auch wenn Frauke schon echt abgebrüht mit dieser Art Sprüchen umgeht,

00:13:55: im Arbeitskreis kann und möchte sie noch einiges mehr von den anderen Frauen lernen.

00:14:00: Also ich gucke vor allem gerade auf die, die schon Insogrämien sind,

00:14:03: die viel mitbringen, was man vielleicht auch noch erreichen will.

00:14:06: Ich bin jemand, der nicht gleich sagt,

00:14:08: komm, da will ich vorsitzende werden.

00:14:10: Aber ich bin auch eher eine zurückhaltende Person,

00:14:12: deswegen war ich auch immer überlegen,

00:14:14: ist man da richtig, wenn man eigentlich eher so ein bisschen abwartet,

00:14:17: bevor man was sagt, so.

00:14:18: Aber ich glaube, da lernt man viel raus.

00:14:20: Gerade wie Menschen auch miteinander sprechen und überhaupt sprechen,

00:14:23: die das schon lange machen und auch gut sich damit auskennen,

00:14:26: die sind ja auf jeden Fall Vorbild,

00:14:28: und dann kann man sicher viel daran abkommen.

00:14:30: Wobei Frauke auch schon selbst einiges an Erfahrung mitbringt,

00:14:33: auch in einem Ehrenamt,

00:14:34: in dem sie in ihrer Freizeit Verantwortung übernimmt.

00:14:37: Mein großes Hobby ist der Posaunkor, den leite ich.

00:14:39: Die Musik ist toll und ich finde auch, man braucht generell immer Abwechslung.

00:14:42: Das ist wieder was ganz anderes,

00:14:44: und da bin ich von Kind auf an, ich war schon immer musikalisch,

00:14:47: und dann habe ich Trompete gelernt, und dann ist das so nach und nach gekommen,

00:14:50: und dann bin ich ja Coreleiter,

00:14:52: das ist auf jeden Fall mein liebstes Hobby.

00:14:54: Ich glaube, das so als Abwechslung, würde ich auch jedem empfehlen,

00:14:56: man hat auch einen Kontakt mit ganz anderen Leuten.

00:14:58: Das ist auch nicht schlecht, glaube ich, oder?

00:15:00: Auf jeden Fall.

00:15:01: Das ist ja Blase mal rauszukommen,

00:15:02: das sind ja nicht alles Landwürde wahrscheinlich.

00:15:03: Ja, eben, genau.

00:15:04: Obwohl ich auch immer denke, das hat viele Vorteile,

00:15:06: auch für die Landwirtschaft,

00:15:07: weil ich erzähle dann ja nun mal auch aus meinem,

00:15:10: und letztens bin ich hier mit meinem Posaunkor natürlich steigelauf.

00:15:13: Da kommt dann keiner, der dann noch von der Lila Kuh träumt,

00:15:16: oder die sind von mir dann schon aufgeklärt.

00:15:18: Also das ist einfach das Sorge, schon für.

00:15:20: Damit den Ton anzugeben, sollte sie als Coreleiterin also keine Probleme haben.

00:15:25: Das hilft doch bestimmt auch dabei, irgendwann mal alleine einen Hof zu leiten.

00:15:29: Als Leiter steht man ja wirklich einfach vor dem Chor,

00:15:31: und steht im Chor vor allem.

00:15:32: Und auch wenn dann eine Gemeinde hinter die Sitzmitteleuten,

00:15:34: und man steht da und hat ja vielleicht auch gerade die Verantwortung dafür.

00:15:37: Richtig, wenn man schief geht, bist du es.

00:15:39: Also das hat mir sehr, sehr viel gebracht.

00:15:41: Dadurch, dass wir in die GBR sind, ist man ja schon auch eine Führungsposition,

00:15:44: so ist es ja nicht.

00:15:45: GBR heißt so ein bisschen geteilte Verantwortung.

00:15:47: Genau, also das sind dann mein Vater und ich in dieser GBR drin.

00:15:51: Das bedeutet ja schon,

00:15:52: dass man auch die Grundeschäftinnen auch vom Betrieb ist.

00:15:54: Also wie auch immer, Frauke noch Zeit für dieses Hobby findet.

00:15:58: Für ihre Zukunft scheint es ihr viel zu bringen.

00:16:00: Und wenn wir schon mal in die Zauberkugel schauen,

00:16:02: was wünscht sich Frauke für die Zukunft in Sachen Gleichstellung?

00:16:05: Ich sage auch so leicht, die Landwirtschaft entwickelt sich weiter,

00:16:08: aber die Frau muss es ja nun auch mitmachen.

00:16:10: So diese Entschlussfähigkeit der Frau, da muss man irgendwie ran,

00:16:13: dass sie dem einfach mal sagt, hier machen wir jetzt einfach mal.

00:16:16: Vielleicht ist der Arbeitskreis ja so ein Anfang,

00:16:18: und dass man das dann aber auch hinkriegt,

00:16:20: dass es nicht nur zwar man ja Hannover ist,

00:16:22: sondern man auch in vor Ort die Ehrenamt-Sachen dann auch reingeht.

00:16:26: Gerade auch in der Landwirtschaft gibt es ja genug Ehrenämter.

00:16:29: Vor Ort die Zweigvereine, da geht es mit los.

00:16:32: Da gibt es ja immer dann Vorsitzende.

00:16:34: Und die ersten Vorsitzenden meistens gehen dann auch zu so delegierten Versammlungen.

00:16:38: Und das ist wirklich sehr Männerbehaftet.

00:16:41: Ich glaube bei uns in der Region ist überhaupt nichts.

00:16:43: Echt?

00:16:44: Das sind wirklich alles Männer als Vorsitzende.

00:16:46: Von dort aus wird man ja auch meistens dann überhaupt

00:16:48: erst in diese weiterführenden Dinge gewählt.

00:16:50: Also wenn man gar nicht erst irgendwo ist,

00:16:52: dann kommt man natürlich auch nie eine Stufe höher.

00:16:54: Also, von nichts kommt nichts, rein in die Gremien.

00:16:57: Und dann ist die Frauenquote vielleicht bald schon nicht mehr bei 0 oder 10%.

00:17:01: Nicht zuletzt dank Frau Kohn ihrem Arbeitskreis.

00:17:03: Ich habe heute auf jeden Fall wieder viel gelernt

00:17:06: und zeige meine Dankbarkeit mit einer gewohnt charmanten Verabschiedung.

00:17:10: Da du als Frau nicht so entschlussfreudig bist, mache ich das jetzt mal.

00:17:13: Ach so.

00:17:14: Und beende das hier, weil ich glaube, wir sind fertig.

00:17:16: Und ich als meine 90% sage tschüss und vielen Dank.

00:17:19: Und ich als meine 10% darf noch tschüss sagen?

00:17:21: Oder muss dann hier...

00:17:22: Das muss ich dir natürlich erlauben.

00:17:23: Ach, das musst du mir erlauben.

00:17:25: Alles klar.

00:17:26: Aber schön, was trotzdem.

00:17:28: Danke dir, hat Spaß gemacht und tschüss.

00:17:30: Danke schön, war schön, dass ihr da wart.

00:17:32: Und für alle, die zuhören, habe ich höchstpersönlich noch eine letzte Quote ausgerechnet.

00:17:36: Denn genau 100% von euch sollten diesen Podcast eine gute Bewertung dalassen,

00:17:43: uns weiter empfehlen oder auch Feedback- und Themenvorschläge bei Spotify kommentieren.

00:17:48: Bis zum nächsten Mal, tschüss.

00:17:50: Stadtland Kuh, eine Produktion von Leichland-Niedersachsen.

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